Demenz - Tipps für die Betreuung von Demenzkranken

24 Stunden Pflegerin mit DemenzpatientinDas eigene zu Hause nimmt mit steigendem Alter eine immer größere Rolle im Leben eines Menschen ein, da dies der Ort ist, an dem man die meiste Zeit verbringt. Hier erfährt man Sicherheit und Geborgenheit. Es überrascht somit nicht, wenn Menschen – auch bei nachlassenden Kräften und aufkommender Hilfe- und Pflegebedürftigkeit –so lange wie möglich in der vertrauten Umgebung bleiben möchten.Auch Menschen mit Demenz können - in Abhängigkeit vom Stadium und dem Verlauf der Erkrankung - über einen langen Zeitraum in den eigenen vier Wänden leben. Damit dies ohne weiteres gelingt, sollten Sie sich gemeinsam mit Ihrem Angehörigen früh genug darüber informieren, welche Unterstützungsmöglichkeiten in Ihrer Umgebung geboten werden. An dieser Stelle kann Ihnen auch eine Betreuungsperson für die sogenannte 24-Stunden-Betreuung von Linara Unterstützung bieten. Die von Linara vermittelten Betreuerinnen und Betreuer leben in häuslicher Gemeinschaft mit Ihrem Angehörigen und übernehmen neben der hauswirtschaftlichen Versorgung auch unterstützende Tätigkeiten bei alltäglichen Aufgaben wie An- und Auskleiden, Körperpflege und der Nahrungsaufnahme. Darüber hinaus leisten sie Gesellschaft, Begleiten bei Spaziergängen, nehmen gemeinsam Termine wahr und aktivieren die betreute Person durch gemeinsame Aktivitäten. Letzteres ist für Menschen mit Demenz besonders wichtig, um die noch vorhandenen Fähigkeiten zu erhalten und fördern.

Herausforderungen der Demenzbetreuung

Dementer Senior mit seiner Betreuerin Menschen mit Demenz haben zunehmend Schwierigkeiten damit sich zeitlich zu orientieren und sich in einer neuen und später auch in einer vertrauten Umgebung zurecht zu finden. Auch die Fähigkeit, Situationen richtig einschätzen zu können, geht im Laufe der Zeit verloren. Ferner werden im weiteren Verlauf vertraute Personen nicht mehr erkannt und auch sich selbst erkennen die Erkrankten irgendwann nicht mehr. Häufig sind auch Verhaltensweisen zu beobachten, die auffallend oder ungewöhnlich erscheinen. Äußern kann sich dieses Verhalten in Unruhe, lautem Rufen, Angst, Unsicherheit, Reizbarkeit, Aggressivität oder im Verweigern von Nahrung.

Jedes Verhalten hat seine eigene Bedeutung. Insofern lassen sich die beschriebenen Verhaltensweisen als Herausforderung verstehen. Ziel sollte daher sein, die Auslöser derartigen Verhaltens zu ergründen. Dabei ist die Annahme hilfreich, dass sich dahinter unbefriedigte oder fehlinterpretierte Bedürfnisse oder Probleme als Verursacher verbergen. So können unter anderem körperliche Erkrankungen (z.B. Infektionen, Herzschwäche oder Gehirnerkrankungen), Bedürfnisse (z.B. Harndrang) oder Schmerzen (z.B. hervorgerufen durch Verstopfungen) ursächlich für das Verhalten sein. Auch Veränderungen der Umwelt, wie z.B. Umzug, Krankenhausaufenthalte etc. sowie das Realisieren des Kompetenzverlustes, können einen Einfluss auf das Verhalten haben.

Umgang und Kommunikation mit Demenzkranken

Auch Menschen mit einer Demenz wollen verstanden, akzeptiert, respektiert und sozial eingebunden werden und darüber hinaus so lange wie möglich selbstständig handeln können. Im Folgenden wird Ihnen eine Reihe von Möglichkeiten aufgezeigt, wie Sie den Umgang und die Kommunikation mit Ihrem Angehörigen gestalten können:

10 Tipps für den Umgang mit Ihrem Angehörigen

  • Vermitteln Sie - z.B. durch langsames und ruhiges Sprechen sowie durch die Vermeidung schneller und ruckartiger Bewegungen - Ruhe und Geborgenheit
  • Nehmen Sie die Betroffenen ernst und „verkindlichen“ Sie ihn nicht
  • Begegnen Sie Menschen mit Demenz mit Respekt und Wertschätzung
  • Betonen Sie Stärken Ihres Angehörigen und gleichen Sie Schwächen aus
  • Schaffen Sie Nähe durch Berührungen - Nähern Sie sich dabei möglichst innerhalb des Sichtfeldes des Erkrankten, um den Betroffenen nicht zu erschrecken
  • Vermeiden Sie Diskussionen - Lenken Sie das Gespräch auf ein anderes angenehmes Thema
  • Nehmen Sie negative Äußerungen nicht persönlich
  • Achten Sie darauf, dass benötigte Hilfsmittel (Hör- und Sehhilfen) angeschafft und verwendet werden
  • Sorgen Sie für die richtigen Lichtquellen in der Häuslichkeit - Der natürliche Tagesrhythmus wird suggeriert und die Orientierung der Betroffenen gefördert.
  • Die betroffene Person so gut es geht am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen - Bewegung und soziale Kontakte können den Krankheitsverlauf verlangsamen
  • Wenden Sie sich Ihrem Angehörigen mit Demenz zu
  • Nehmen Sie Blickkontakt auf und vergewissern Sie sich, dass der Betroffene Sie hört
  • Kurze und einfache Sätze erleichtern das Verstehen
  • Stellen Sie nur eine Frage auf einmal
  • Benennen Sie das, was Sie gerade tun
  • Vermeiden Sie „Wieso-Weshalb-Warum“ Fragen und das Abfragen von Fakten Bsp.: „Möchtest du Tee oder Saft?“ statt „Was möchtest du trinken?“
  • Räumen Sie Ihrem Angehörigen ausreichend Zeit zum Antworten ein
  • Wiederholen Sie Ihre Aussagen und wandeln diese nicht ab
  • Nutzen Sie Mimik und Gestik, um das Gesagte zu unterstreichen
  • Hören Sie aufmerksam zu

Daneben bietet sich die Methode der Validation als weiteres Kommunikationsmittel an. Hierbei handelt es sich um eine Technik die dabei hilft, die Welt des kranken Menschen als Realität anzunehmen.

Unterstützung beim Umgang mit herausforderndem Verhalten

Situation 1: Ihr Angehöriger versteckt Dinge (Lebensmittel, Schlüssel etc.)

Das können Sie tun:

  • Zahl der möglichen Verstecke reduzieren, Schränke und Schubladen verschließen
  • Auch an ungewöhnlichen Orten nach versteckten Dingen suchen (z.B. Wäschekorb, oder Mülleimer)
  • Wichtige Dinge kopieren, Zweitschlüssel anfertigen lassen und Bargeld bestenfalls selbst verwalten
  • Keinen Streit beginnen!
Situation 2: Ihr Angehöriger beschuldigt Sie oder jemand anderen sein Portemonnaie entwendet zu haben

Das können Sie tun:

  • Reagieren Sie entweder gar nicht darauf oder lenken Sie das Gespräch auf ein anderes Thema.

ODER

  • Gehen Sie darauf ein indem Sie das weitere Vorgehen zur gemeinsamen Sache machen. „Vielleicht ist das Portemonnaie noch da. Lass es uns doch gemeinsam suchen.“

Technische Hilfsmittel

Menschen mit Demenz haben besondere Bedürfnisse und können Gefahren ausgesetzt sein, die wir als solche gar nicht wahrnehmen. es kann hilfreich sein technische Vorrichtungen zu installieren, um Unfälle zu vermeiden und schnell reagieren zu können.

Sicherung der Wohnungstür

Haustüren oder Gartentore ggf. mit Infrarotbegrenzungen versehen, um zu vermeiden, dass der Demenzkranke die Wohnung oder das Grundstück verlässt. Funksender, angebracht an der Kleidung des Betroffenen, erzielen denselben Effekt. Überschreitet die betroffene Person die Lichtschranke, werden Sie oder andere zuvor festgelegte Kontaktpersonen benachrichtigt.

Wasserhähne sichern

Um das Verbrühen durch zu heißes Wasser aus dem Wasserhahn zu vermeiden, kann eine Mischbatterie mit Temperaturbegrenzer eingebaut werden. Des Weiteren kann durch die Montage eines Wasserflussreglers die Wasserzufuhr begrenzt und somit größere Wasserschäden vermieden werden. Bedingung für den Einbau ist, dass der Betroffene mit der neuen Lösung zurechtkommt.

Brandgefahr minimieren

Um das Risiko eines Brandes zu minimieren, sollte der Herd gesichert werden. Herdsicherungssysteme schalten den Herd nach einer voreingestellten Zeit und/oder bei überhitzen der Kochfelder automatisch ab. Achtung bei Gasherden: Hier gibt es noch kein geeignetes Sicherungssystem. Tauschen Sie bestenfalls das alte Gerät durch einen modernen Elektroherd mit Sicherungssystem aus.  Um Feuer frühzeitig zu erkennen, sollten in sämtlichen Räumen Rauchmelder installiert sein. Bei rauchenden Demenzkranken achten Sie darauf, dass schwer entflammbare Kleidung getragen wird.

Personensuche

Nicht selten passiert es, dass sich Demenzkranke auf dem Spaziergang verlaufen und den Weg nach Hause nicht mehr finden. Personenortungssysteme ermöglichen es, die Person mittels satellitengestützte Positionsbestimmung schnell und zuverlässig ausfindig zu machen. Ähnlich wie beim Hausnotruf, wird ein Sender in ein Handy, ein Armband oder eine Uhr integriert. Teilweise mit zusätzlichem Notrufsystem, sodass die hilfsbedürftige Person selbstständig Hilfe rufen kann.

Sonstige Möglichkeiten

  • Bei verschließbaren Türen (wie z.B. Badezimmer) sollte ein von außen zu öffnendes Schloss eingebaut werden
  • Elektrogeräte ggf. mit Zeitschaltuhren versehen
  • Bügeleisen kaufen, welches sich bei Nichtbenutzung selbstständig ausschaltet
  • Nachtlichter und Bewegungsmelder in Fluren und im Bad anbringen
  • Steckdosen und Fenster sichern
  • Medikamente in einem verschlossenen Schrank aufbewahren oder in Tablettenspendern vorsortieren, die zu voreingestellten Zeiten an die Einnahme erinnern
  • Reinigungsmittel wegschließen und giftige Pflanzen entfernen

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