Validation - Mit Demenzkranken reden

Betreuerin liest einer dementen Seniorin etwas vor

An Demenz erkrankte Menschen leben in ihrer eigenen Welt. Für Angehörige ist dieser Zustand oft nur schwer zu verstehen und zu ertragen, sieht doch der geliebte Mensch genauso aus wie vorher. Sein Verhalten ist allerdings vollkommen anders als gewohnt, sodass er einem fremd erscheint. Die Methode der Validation kann Ihnen dabei helfen, das Verhalten Ihres demenzkranken Angehörigen zu verstehen, Ihnen einen besseren Zugang zu ihm zu ermöglichen und Ihnen dadurch die Situation einfacher zu gestalten.

Validation ist eine spezielle Kommunikationstechnik, die ihren Ursprung in den 1960er Jahren hat und von Naomi Feil entwickelt wurde. Durch diese Methode soll die Kommunikation mit älteren, desorientierten Menschen ermöglicht werden. Diese „Technik“ beruht darauf, den kranken Menschen als solchen anzuerkennen und seine Welt als Realität anzunehmen.

Stadien der Desorientierung

Es werden vier Stadien der Desorientierung von älteren Menschen definiert, an denen sich die Validation der Pflegekräfte und auch der Angehörigen bestenfalls orientieren sollten:

Stadium 1

Im ersten Stadium (mangelhafte/unglückliche Orientierung) werden leichte Defizite von den Betroffenen erkannt, eine örtliche und zeitliche Desorientierung liegt noch nicht vor. Defizite werden so gut es geht vor Angehörigen, Freunden und Bekannten versteckt.

Stadium 2

Das zweite Stadium (Zeitverwirrtheit) macht sich durch einen ausgeprägten Isolationsdrang des Betroffenen bemerkbar. Dieser lebt nun mehr und mehr in seinen eigenen Erinnerungen und ist an Orten und Zeiten seiner Vergangenheit.

Stadium 3

Im dritten Stadium (sich wiederholende Bewegungen) gehen nach und nach das Denk– und Sprachvermögen verloren. Die demente Person drückt sich in der Regel nur noch über körperliche Zeichen aus. Dazu gehört zum Beispiel das rhythmische Schlagen, das ständige Auf-und-ab-Gehen.

Stadium 4

Das vierte Stadium (vegetieren) ist dadurch gekennzeichnet, dass sich die Betroffenen in einem vegetativen Zustand befinden. Die Teilhabe am Leben wurde aufgegeben. Betroffene sitzen zum Beispiel apathisch in einem Stuhl, starren vor sich hin oder liegen teilnahmslos im Bett. Angehörige oder Freunde werden in dieser Phase nicht mehr erkannt.

Anwendung und Ziele von Validationstechniken

In der Validation gibt es drei Ebenen, die für das Gelingen entscheidend sind:

  • Die eigene Grundhaltung, eine einfühlsame sowie urteilsfreie Einstellung gegenüber der betroffenen Person
  • Das Beherrschen theoretischer Grundlagen
  • Das gezielte Einsetzen verbaler und nonverbaler Techniken

Erst wenn diese drei Ebenen zusammenwirken, kann von Validation gesprochen werden.

Grundsätzlich geht es darum, dass sich der Validierende in die Welt des dementiell erkrankten Menschen hineinversetzt und so versucht, die Welt mit dessen Augen zu betrachten. Aktives Zuhören ist genauso wichtig, sodass man dadurch die Ebene des Gegenübers einnehmen kann und ihn dort abholt, wo er sich gerade befindet. Die aktuelle Gefühls- und Erlebniswelt, der jeweiligen Person sollte dabei respektiert, anerkannt und akzeptiert werden. Darüber hinaus ist eine Unterstützung beim Ausdruck ihrer Gefühle und Bedürfnisse unabdingbar. Dabei ist es wichtig, das Tempo und die Ziele die erkrankte Person zu beachten. Die eigene Person sollte dabei in den Hintergrund gestellt werden.

Die Ziele der Validationsmethodik sind…

… die Wiederherstellung des Selbstwertgefühles der betroffenen Person,

… der Abbau von Stress,

… das Lösen der ausgetragenen Konflikte aus der Vergangenheit,

… die Reduktion des Medikamentenkonsums und von physischen Zwangsmaßnahmen,

… die Verbesserung der verbalen und nonverbalen Kommunikation,

… die Verhinderung eines Rückzuges ins Lethargische,

… die Verbesserung des Gehvermögens sowie des körperlichen Wohlbefindens.

Ein Beispiel

Betreuerin umarmt demenzkranke SeniorinEine demenzkranke 80-jährige Frau lebt in einem Pflegeheim und möchte unbedingt nach Hause zu ihrer Mutter. Diese ist allerdings schon lange tot. Statt zu sagen: „Ihre Mutter lebt nicht mehr.“ oder die Frau zu vertrösten: „Nun essen Sie erst mal Ihren Teller leer, dann sehen wir weiter.“ ist es besser, mit Hilfe von Validation auf die Frau einzugehen. Mit den oben genannten Antworten werden Demenzkranke nur noch aufgeregter und völlig verwirrt. Für sie ist ihre Gefühlswelt real. Sagen Sie also, dass die Mutter nicht mehr lebt, empfindet die demenzkranke Frau dies als Lüge. Auch das Vertrösten ist nicht geeignet, um ihre Aufregung zu dämpfen.

In solch einer Situation ist es besser, ihre Gefühle als real anzuerkennen und sie zu akzeptieren. Eine Möglichkeit ist es, ein Gespräch über die Familie zu beginnen und ihr zu zeigen, dass sie ihre Wünsche ernst nehmen. Angehörige, die ihre demenzerkrankten Verwandten pflegen, sind ohne eine Validations-Ausbildung hier oftmals überfordert. Das ist völlig verständlich, ist es doch sehr schwer, mit einem geliebten Menschen auf einer vollkommen anderen Ebene wie gewohnt zu kommunizieren.

Mit Demenz umgehen lernen

Auch wenn die Erkrankung nicht geheilt werden kann, so können Angehörige lernen, mit den Auswirkungen der Demenz umzugehen. Demenzkranke drücken ebenso ihre Bedürfnisse aus, wie gesunde Menschen. Hier kann man beispielsweise mit Fragen herausfinden, welche Gefühle hinter einem bestimmten Handeln stehen. Besonders schwierig ist es allerdings mit der Enttäuschung umzugehen, dass Demenzkranke ihre Angehörigen oft nicht mehr erkennen. Auch hier kann die Validation vermitteln.

Angehörige können ebenso wie Pflegekräfte die Grundsätze der Validation erlernen. Es gibt Schulungsangebote, die in wenigen Stunden bis hin zu zwei Tagen, eine kleine Einführung in das Krankheitsbild Demenz und die Techniken der Validation ermöglichen. Allerdings sollte auch jeder seine Grenzen erkennen. Wer sich dauerhaft mit der Pflege eines demenzkranken Angehörigen überfordert fühlt, kann und sollte Hilfe in Anspruch nehmen. Hier kann zum Beispiel die sogenannte 24-Stunden-Betreuung ein Segen sein, da bei diesem Pflegemodell eine Pflegerin mit im Haus wohnt. So ist der Demenzkranke nie alleine und wird rund um die Uhr betreut. Für die Angehörigen bedeutet das, selbst einmal durchatmen zu können und dennoch den Patienten in guten Händen zu wissen.

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