Demenz - Was bedeutet das?

In Deutschland leiden rund 1,5 Millionen Menschen an einer Demenz, was dieses Krankheitsbild zu einem der häufigsten im hohen Alter macht. Bei einer Demenz (lat. Demens „ohne Geist“) nimmt die Gedächtnisleistung krankheitsbedingt sukzessiv ab, was mit Störungen verschiedener Bereiche (u.a. Denkfähigkeit, Orientierung, Sprachvermögen & Verhalten) einhergeht. Dadurch können Persönlichkeitsveränderung und Veränderungen der Gemütslage auftreten.

Demenz erkennen

Da es verschiedene Demenzformen mit unterschiedlichen Ursachen gibt, unterscheiden sich auch die Symptome zum Teil recht stark voneinander, sodass eine eindeutige Diagnose oftmals schwierig ist. Meist handelt es sich dabei um nicht heilbare, fortschreitende Krankheiten, deren Erkrankungsverlauf jedoch gemildert werden kann.

Formen der Demenz

  • Alzheimer-Krankheit, mit ca. 40% die häufigste Ursache aller Demenzen;
  • Vaskuläre Demenz, mit ca. 10% aller Demenzen: Die Hauptursache sind Veränderungen der Gefäße und dadurch bedingte chronische Durchblutungsstörungen im Gehirn sowie Schlaganfälle. Menschen mit Diabetes mellitus oder Bluthochdruck haben ein signifikant höheres Risiko für Veränderungen der kleinen Blutgefäße im Gehirn, sodass eine Behandlung dieser Erkrankungen konsequent erfolgen muss.
  • Eine Mischform der vaskulären und der Alzheimer-Demenztritt in ca. 30% der Fälle auf;
  • Eine Demenz mit Lewy-Körperchen ist in ca. 15% der Fälle die Ursache der Symptome. Lewy-Körperchen sind Eiweiß-Partikel im Gehirn, die bei größerem Aufkommen die Kommunikation zwischen Nervenzellen behindern. Folgen sind Ausfallerscheinungen, die auch für die Parkinson-Krankheit charakteristisch sind.

Demenzkranke Seniorin mit BetreuerinAlkoholabhängigkeit, Schädel-Hirn-Verletzungen, Hirntumore, Schilddrüsenunterfunktion, entzündliche Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Multiple Sklerose) oder bestimmte Arten von Depressionen (insbesondere im hohen Alter) können ebenso ursächlich für die Symptome sein. Eine richtige Diagnose ist daher unabdingbar, um potentiell reversible Ursachen auszuschließen und mit einer geeigneten Therapie zu beginnen.

Bei ersten Anzeichen von gesteigerter Vergesslichkeit oder dem Eindruck, dass sich die persönliche Denkleistung merklich verändert, sollten Betroffene einen Facharzt für Neurologie aufsuchen. Auch der Hausarzt kann zunächst als Ansprechpartner dienen. Sollte der Verdacht auf eine dementielle Erkrankung geäußert worden sein, folgt die Überweisung in eine neurologische Facharzt-Praxis. Dort können spezielle Untersuchungen und Testverfahren Aufschluss über eine mögliche Erkrankung geben.

Was passiert nach der Diagnose?

Die Nachricht, an Demenz erkrankt zu sein, ist für alle Beteiligten nicht leicht zu verarbeiten. Über Ängste und Sorgen sollte man mit Freunden und Angehörigen oder anderen Vertrauenspersonen sprechen. Auch Selbsthilfeorganisationen können in dieser Situation sehr hilfreich sein. Selbsthilfegruppen erleichtern den Informations- und Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen und Angehörigen, wodurch praktische Lebenshilfe sowie emotionale Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung möglich sein können.

Therapiemaßnahmen

Eine Demenz ist noch nicht heilbar, eine gut abgestimmte Therapie kann jedoch den Verlauf der Erkrankung verlangsamen und den Betroffenen Linderung verschaffen. Im Rahmen einer Demenz-Therapie können unterschiedliche Methoden zum Einsatz kommen. Falls Erkrankungen ursächlich für die Demenz sind, müssen diese behandelt werden. Neben bestimmten Medikamenten kommen dann auch Therapieformen wie die Ergotherapie oder das Gedächtnistraining infrage. Welche Therapiemaßnahmen im Einzelfall Anwendung finden, hängt von der Art der Demenz, von bestehenden Symptomen und vom Stadium der Erkrankung ab.

Das können Sie jetzt tun

Seniorenpaar wird beratenNach der Diagnose sollten vorsorglich sämtliche rechtlichen, gesundheitlichen und finanziellen Angelegenheiten geregelt werden. Im Frühstadium sind Demenzkranke in der Regel voll geschäftsfähig und können selbst in ihrem Sinn vorsorgen. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat die Website „Wegweiser Demenz“ erstellt, um insbesondere auch zu diesem Aspekt konkretes Hilfewissen zu vermitteln. Dort finden Sie Informationen z.B. über gesetzliche Leistungen, Rechte von Betroffenen, Hilfsangebote vor Ort aber auch ehrenamtliche Angebote für Demenzkranke und Angehörige.

Ferner sollten Sie oder Ihr Angehöriger einen Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung stellen, denn je nach Pflegegrad stehen Menschen mit Demenz bestimmte Leistungen zu. Wurde Ihnen oder Ihrem Angehörigen ein Pflegegrad zugesprochen, kann  zwischen. Wurde Ihnen oder Ihrem Angehörigen ein Pflegegrad zugesprochen, kann  zwischen Pflegegeld, Pflegesachleistungen oder Kombinationsleistungen gewählt werden, um die Pflege und Betreuung zu finanzieren.

Tipps für Angehörige

Für Angehörige und Freunde ist es nicht leicht mit zu erleben, wie eine Demenz den geliebten Menschen zunehmend verändert. Die Veränderung kann sich in vielen Facetten niederschlagen: Einige Betroffene werden zunehmend in sich gekehrter, andere wiederum werden aggressiv oder apathisch und antriebslos. Für Familie und Freunde ist es daher wichtig, sich möglichst früh mit dem Erkrankungsbild und dessen Prognose auseinanderzusetzen, um das Miteinander für alle Beteiligten möglichst angenehm zu gestalten. An dieser Stelle setzt die Validation an. Diese Kommunikationstechnik kann dabei helfen, das Verhalten des Demenzkranken zu verstehen, einen besseren Zugang zu ihm zu ermöglichen und die Situation für Angehörige dadurch einfacher zu gestalten.

24 Stunden Betreuung für Demenzkranke

Betreuerin liest dementer Seniorin vorEin Umzug von der vertrauten Umgebung in eine Pflegeeinrichtung ist insbesondere für demenzkranke Menschen ein zusätzlicher Belastungsfaktor. Ihnen werden dadurch womöglich letzte Orientierungspunkte entrissen, was zu einer Verstärkung der Symptome führen kann. Im eigenen Zuhause haben Demenzkranke eher die Möglichkeit, ihren Alltag möglichst lange selbstbestimmt zu bestreiten.

Sollte im weiteren Verlauf der Erkrankung  eine umfassendere Unterstützung notwendig werden, kann die sogenannte 24-Stunden-Betreuung eine gute Alternative für Sie und Ihren Angehörigen darstellen. Durch zum Beispiel aktivierende Betreuung und Biografiearbeit können die Betreuungspersonen einen guten Zugang zu Ihrem Angehörigen schaffen und vorhandene Fähigkeiten erhalten. Darüber hinaus kann ein gewisses Maß an Selbstständigkeit gewahrt werden, da beliebte Haushaltsaktivitäten zum Teil gemeinsam erledigt werden können.

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